Einzelstücke - Das gibt's nur 1x ?
Prolog
Mark Münzel, Professor (emerit.), Institut für vergleichende Kulturforschung: Religionswissenschaft und Völkerkunde, Philipps-Universität Marburg, in Voell, Stephane (Hrsg.), „ohne Museum geht es nicht“ – die völkerkundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Marburg, 2001, S.23-30
„Denn Jahre später verschlug es mich zu eben jenen Indianern, aus deren Kultur die alte Sammlung stammte. Und nun auf einmal erkannte ich bestimmte Objekte wieder, jetzt im lebendigen Zusammenhang, erinnerte mich an bestimmte haptische Impressionen, an das Gefühl, wenn man mit der Hand über eine Art Strohgeflecht streicht, an einen bestimmten Materialgeruch. ... Ich konnte mit den Indianern über die Objekte mit einer Intensität und Kenntnis reden, die ich ohne ‚Museumspraktikum’ nicht erreicht hätte. ... Das ‚Museumspraktikum’, das ich während meines Studiums absolvieren musste, wurde an meinem damaligen Studienort wenig später abgeschafft. Man ersetzte es durch Theoriestudium. Generationen von Studierenden wurden ohne jede Beziehung zum Museum ausgebildet, Gegenstände waren langweilig und nicht theoretisch. ... Die sichtbarste Folge dieser Vernachlässigung, nicht nur in jener einen Stadt sondern an vielen deutschen Universitäten, ist heute der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs für die Völkerkundemuseen. Schwerer noch aber wiegt, dass Studierende, die seit Beginn ihres Studiums systematisch vom Interesse an Konkretem weggeführt wurden, später große Schwierigkeiten haben, in anderen als der eigenen akademischen Kultur Fuß zu fassen. Sie sprechen oft nicht mehr so gern ... mit indianischen Fischern, sondern mit indianischen Politikern, die ihre westliche Sprache reden und weder zu Angelhaken noch zu Masken irgendeinen Bezug haben.“
Eine Rassel (maracá) der Tupinamba/Ostbrasilien oder der Arawak/Guayana
"Die Frankfurter maracá war 2003 die erste dieses Types, die ich fotografierte. In Amsterdam fiel mir 2004 eine ähnliche Rassel in der Ausstellung nicht weiter auf. Auch die, die ich in Berlin 2005 fotografierte. Erst durch die Rassel in der Ausstellung des Herrnhuter Völkerkundemuseums mit dem frühen Sammlungseingang 1755 wurde die Frankfurter Rassel zu etwas Besonderem."
Ein Feder-Hut der Warrau (Surinam oder Guayana) und eine Reise durch Europa (fünf Länder und vier Sprachen)
"Als ich das Stück sah, wusste ich sofort, dass es etwas Besonderes ist. Einen Feder-Hut dieser Art hatte ich bisher in keinem anderen Museum gesehen, und die Chance bei derart alten Stücken ein zweites zu finden, ist sehr gering. Noch dazu war der Erhaltungszustand unerwartet gut..."
Einleitung - Warum diese Seiten "Einzelstücke!??!"?
Dr. Andreas Schlothauer, 2008
In diesem Teil der About-Amazonas-Webseite möchte ich nach und nach Einzelstücke und besonders seltene Stücke vorstellen.
Viel zu wenigen Museen ist bewusst, welchen Federschmuck-Schatz sie bewahren, da erst der Vergleich mit den anderen Sammlungen die Seltenheit eines Stückes beweist.
Der Federschmuck Amazoniens ist in geringer Zahl in Museumssammlungen vertreten, alter Federschmuck ist selten gut erhalten, daher sind alte, gut erhaltene Einzelstücke besonders schützenswert und benötigen die volle Aufmerksamkeit des jeweiligen Museums !